Wort zum Sonntag – 19. Juli 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

der 6. Sonntag nach Trinitatis ist dem Thema „Taufe“ gewidmet. Wir sollen an unsere eigene Taufe erinnert werden und an das, was Gottes Treue und Zuspruch für unser Leben bedeutet.

Da ist es schon sehr seltsam, dass das Bibelwort für diesem Sonntag aus dem Alten Testament stammt und dass es zunächst einmal an Gottes auserwähltes Volk gerichtet ist und nicht an diejenigen, die auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft sind.

Der alte Mose steht auf dem Berg Nebo. Von diesem Berg aus betrachtet er das gelobte Land jenseits des Jordan, das Gott den Vätern verheißen hatte. Und mit dem Blick auf das Land, in dem Milch und Honig fließen, spricht er zu Israel diese Worte, die uns im 5. Buch Mose überliefert werden: Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. (5. Mose 7, 6-12)

Ich vermute, dass Mose auch noch einmal zurückgeschaut hat, auf die Zeit in Ägypten, wo die Menschen versklavt wurden, auf die abenteuerliche Flucht und auf den langen Weg durch die Wüste, wo Gottes Treue so greifbar nahe war. Das Leben in der Wüste ist hart, aber ehrlich. Was ist auch nur ein Schluck frischen Wassers in der Wüste wert?

Nicht nur mit Freude, sondern auch mit Sorgen blickte Mose auf das Kulturland, das vor ihm lag. Er selbst war dem Tode nahe und würde das Land der Väter nicht mehr erleben. Aber all die, die mit Josua, seinem Nachfolger in das gelobte Land einziehen durften, die sollten in der neuen Umgebung mit all ihren Verlockungen und Versuchungen die Treue Gottes nicht aus den Augen verlieren.

Das Zeichen der Taufe ist das frische Wasser. In der Taufe zeigt Gott uns, dass wir seine geliebten Kinder sind, die er segnen und bewahren will in guten und in weniger guten Tagen.

Gottes auserwähltes Volk hört die Worte aus dem Mund des Propheten Jesaja: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Unser Leben gehört Gott. Wir haben es von ihm. Wir leben es mit ihm. Wir legen es dereinst in seine Hände zurück. Und vom ihm hat unser Dasein Sinn und Ziel.

Bei der Kindertaufe sind es Eltern und Paten, die unsere Täuflinge ins Leben begleiten und in ihnen die Sehnsucht nach der Geborgenheit in Gottes Liebe wachhalten. Bei der Konfirmation versprechen die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihren Weg unter Gottes Schutz und Wegbegleitung weiter zu gehen.

Wie das Kulturland damals, so hat auch das Leben heute seine Verlockungen und Versuchungen. Wir lassen uns faszinieren und ablenken. Gottes Treue gerät in Vergessenheit.

Mose sagt: Die Werte der Wüste werdet ihr auch im Kulturland brauchen. Vielleicht sind sie in der Zukunft da noch wichtiger und noch nötiger als in der zurückliegenden Zeit. Behaltet die 10 Gebote im Herzen, die ihr auf eurer Wüstenwanderung gelernt habt: Es sind Angebote zu einem gelingenden Miteinander.

Wer getauft ist, der hat Gottes Reich des Friedens und der Gerechtigkeit vor Augen. Wer getauft ist, der findet Orientierung in Gottes Wort. Wer getauft ist, kann beten. Wer getauft ist, der braucht sich nicht blenden und nicht verführen zu lassen.

Wer getauft ist, der vertraut darauf, dass der gute Hirte uns begleiten will im Leben und auch dann, wenn unsere Lebensreise einmal weitergeht.

Denkt auch dann daran, wenn es euch gut geht und an nichts fehlt, denn es bleibt dabei: Gott hat euch erwählt! Amen.

 

Pfarrer Rainer Janus

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